Archiv für August 2009

Die Musik macht den Roman

Ein paar weitere Hobbyautoren haben sich per Kommentarfunktion (und auch per Mail) bereits geoutet! ;-) Da würde mich doch glatt mal interessieren, was passiert, wenn ihr Musik hört und dabei schreibt.

Ich bin anscheinend unglaublich empfänglich für so was.  Heute hatte ich meine sehnsüchtig erwartete Live-CD vom Leipzig Konzert der momentanen Depeche Mode Tour im Briefkasten. Also CD in den PC, Lautstärke aufgedreht und tja… liegt natürlich auch am Konzerterlebnis, an das man sich ganz automatisch erinnert (und leise vor sich hin schmachtet ), aber ich könnte zu jedem Song glaube ich die passende Szene schreiben. Die Musik wird sozusagen als Untermalung missbraucht, wie bei einem Film. Bellt Dave Gahan “I Feel you” in die Leipziger Luft, könnte man sicherlich eine hübsch leidenschaftliche Sex-Szene schreiben und beim leisen Konzertende “Waiting for the night” die Heldin an einer schlimmen Krankheit sterben lassen, um den Leser in ein Tränenmeer zu stürzen. Und wenn vor dem inneren Auge, tausende Menschen ihre Hände zu “Never let me down again” wedeln, möchte man einfach etwas furchtbar unglaublich Gutes schreiben, was das Gefühl von Ehrfurcht wiedergibt.

Und damit wären wir wohl schon beim eigentlichen Thema. Musik transportiert Gefühle, wie es wohl kein anderes Medium kann und ich glaube, dass dies den Autor beim Schreiben durchaus beflügeln kann. Mir geht es jedenfalls so und auf Websites diverser Autoren habe ich auch schon von ihren eigenen Soundtracks gelesen, die sie beim Erfinden ihrer Geschichten gehört haben.

Wie gesagt, ich bin dafür irgendwie besonders empfänglich. Ich hab bei dramatischen und tränendrüsigen Filmszenen, die mich wirklich berühren, auch immer das drängende Gefühl jetzt sofort genauso etwas großartiges zu schreiben. Dummerweise gibts Taschentücher und nach den getrockneten Tränen ist das Vorhaben den großen Wurf zu schreiben, wieder verpufft.

Was bedeutet das nun alles ? Nun, man kann mich anscheinend bestens manipulieren. Jetzt müsste ich das nur noch in kreative Bahnen lenken. Nur noch …

Dies und Das(s)

In der Schule war ich in Grammatik und Rechtschreibung immer sehr gut, aber seitdem es die neue deutsche Rechtschreibung gibt, stehe ich auf Kriegsfuß mit dem wunderschönen “das(s)”. Ich weiß nie, wann ich das zweite “s” bemühen muss und wann nicht. Dabei hat sich eigentlich nichts geändert. Anstatt “ß” gibts halt “ss”. Wer also in meinen Texten mal wieder ein fehlendes “s” entdeckt – jahhaaaa….ich weiß!!!!!!

Um mir diese vermaldeite Regel endlich mal ins Hirn zu prügeln, habe ich beschlossen auch sonst mal zu gucken, wie es wirklich um meine Grammatikkenntnisse bestellt ist und mir die “Stilfibel” von Ludwig Reiners gekauft. In dem Buch geht es anfangs um schnöde Grammatikregeln, dann aber eben auch um Stil (Relativsätze, Genitiv, zu viele Adjektive, etc.) . Das Buch ist schon ziemlich alt (von 1963) und so muss man einiges sicher bedenken, aber letztlich habe ich schon beim Durchblättern viele interessante Dinge gesehen.

Den Buchtipp habe ich übrigens von Andreas Eschbachs hervorragender Homepage, wo er sich in einem extra Bereich über das Schreiben auslässt. Momentan ist leider ein Großteil offline, weil er es umstrukturiert. Wer sich für das Schreiben interessiert, ist dort auf jeden Fall richtig. Dort werden mit einem Augenzwinkern wirklich gute Tipps verraten.

Damit wir heute auch alle was lernen:

das, – immer dann, wenn es sich auf das Substantiv davor bezieht und man “das” auch ersetzen kann durch “dieses”, “jenes”, “welches”

dass – immer dann, wenn es einen Nebensatz einleitet (also einfach immer dann, wenn obige Regel nicht zutrifft)

Alles klar? :-)

Donna Leon und das Kühlregal

Meine Brötchen verdiene ich ja als Buchhändlerin und da gibt es eigentlich jeden Tag dermaßen abstruse Geschichten zu erzählen, das es doch schade wäre, sie nirgendwo niederzuschreiben.

Vielleicht wird meine nächste Heldin eine Buchhändlerin und da kann hinterher niemand sagen… Steffi … deine Heldin erzählt einen vom Pferd. SOWAS gibt es doch gar nicht. Doch, so was gibt es – jeden Tag!

Für heute ein zwei kleine Kostproben vergangener Schätze:

Eine ältere Dame hätte gerne das neue Buch von “Leo Danone”. Donna Leon hatten wir natürlich da. Danone gibts nur im Kühlregal.

Eine Kundin kommt gehetzt an die Kasse und möchte ein Backbuch bezahlen, worauf die Kollegin scherzhaft fragt, wann wir denn zum Kuchenessen da sein sollen. Die junge Dame antwortet wie folgt:„Ich backe nicht – ich habe einen Kuchen von Coppenrath & Wiese gekauft; den hat mein Freund mit ins Büro genommen – und nun wollen alle das Rezept haben…..“

Aber auch uns Buchhändlern rutscht schon mal was schräges raus:
Kunde: Haben Sie den Koran?
Kollege: Der ist nicht mehr da – leider Gottes.

Zwischendurch gibts auch mal richtig erschütternde Sachen, wo man ehrlich gesagt nur noch sprachlos mit offenem Mund da steht:

Kundin: “Haben Sie was Neues von Anne Frank”
Ich: “Aber die ist doch schon tot…”
Kundin:”Ach, isse gestorben??”
Ich: “JA! Im KZ!”
Kundin: “Na, dann kommt da wohl nix mehr…”

Wo das alles her kommt, gibt es noch viieeeel mehr!

“Feuer und Stein” oder: der Dialog macht die Musik

Momentan lese ich zum äh…. ich glaube 5. Mal “Feuer und Stein” von Diana Gabaldon. Gerade, wenn man ein Buch so sehr mag und so gut kennt, kann man beim erneuten Lesen tatsächlich auch mal auf die Feinheiten achten und daraus lernen.

Letztlich lese ich das Buch natürlich wegen der packenden Geschichte , aber es ist auch die Gabe der Autorin reale Charaktere zu erschaffen und mit ihrer Sprache überaus lebendige Dialoge zu formen, die mich so begeistert. Da hat man das Gefühl mitten drin zu sein. An Lebendigkeit kann es meines Erachtens kaum eine Autorin von historischen Romanen mit Frau Gabaldon aufnehmen.

Gerade was Dialoge angeht, wird man doch in einigen Romanen nicht gerade verwöhnt. Zu gestelzt, zu gewöhnlich, zu konstruiert – ich bemerke, dass ich da immer schneller genervt bin. Absolutes Negativbeispiel in letzter Zeit war da der strunzdoofe Roman “Die mit dem Werwolf tanzt” von Mary Janice Davidson. Gut, Handlung und Charaktere konnte man auch vergessen, aber besonders die Dialoge haben mich zur Weißglut gebracht.

Das Liebespaar war zum Davonlaufen. Anstatt sich wie normale Menschen zu streiten und zu unterhalten, haben die beiden sich nur ironische Bälle zugeworfen, auf die dann selbstredend immer nur eine erneut unglaublich komische Retourkutsche folgte. Irgendwann habe ich mich gefragt, ob die beiden einen Clown gefrühstückt hatten. Wenn sich zwei reale Menschen in meinem Umkreis so unterhalten würden, würde ich glaube ich die Männer mit den weißen Kitteln anrufen. Ging einfach gar nicht!

Genauso schlimm ist es natürlich, wenn die Figuren so reden, wie momentan Herr Westerwelle, der in jedem Satz drei mal Bürger und Bürgerinnen von sich gibt, damit wir auch alle verstehen, das die FDP eine Bürgerpartei ist. Es wirkt geplant, gestelzt und irgendwie nicht spontan.

Wie es aussieht, ist es eine Gratwanderung gute Dialoge zu schreiben. Vielleicht ein bisschen wie das wahre Leben. Wer will schon immer mit einem bierernsten Menschen zusammen sein oder mit jemandem, der sich ständig einen Keks freut. Eben … die Mischung machts!

Wieso schreiben?

Tja, jetzt kommt leider die langweilige Allerweltsantwort, denn ich habe schon als Kind geschrieben. Bereits mit 9 Jahren habe ich auf unserem vorsintflutlichen PC (hießen die damals überhaupt schon so) im Wohnzimmer Barbie-Geschichten in die Tasten gehauen. Damals noch unter DOS-Word. Ja, es gab mal eine Zeit, da gab es Windows noch nicht. Die Geschichten existieren sogar noch irgendwo auf einer dieser großen schwabbeligen Disketten, für die kein Mensch heute mehr ein Laufwerk hat.

In meiner Schulzeit gab es Phasen, da habe ich ohne Ende geschrieben, aber dies hat sich dann mit dem Beginn der Oberstufe komplett geändert. Tatsächlich habe ich die letzten 12 Jahre so gut wie gar nicht mehr geschrieben, allerdings häufig daran gedacht, es tatsächlich mal ernsthaft zu probieren. Nun gehöre ich zu der Spezies Mensch, die gerne immer viel machen möchte, es dann aber dummerweise doch nicht tun.

Und da kam dann dieses Frühjahr der Zufall ins Spiel. Meine ehemalige Chefin Heidi hat nämlich im Frühjahr eine kleine Schreibgruppe gegründet. Wir sind nur fünf Frauen, die aus ganz unterschiedlichen Gründen schreiben wollen. Einige brauchen es fürs Studium, andere schreiben Tagebuch. Ich bin die einzige, die daran teilnimmt, weil sie tatsächlich mal einen Roman schreiben möchte. Oder sagen wir es so – ich bin die einzige, die es zugibt!

Bisher haben erst drei Treffen stattgefunden, weil wir uns wegen unserer Aktivitäten (Beruf, Pritvatleben und was das Leben sonst noch zu bieten hat) nur alle 5-6 Wochen treffen können. Trotzdem war der Austausch miteinander schon sehr ergiebig.

Momentan bearbeiten wir zwei Bücher:

Gabriele L. Rico: Garantiert schreiben lernen
Julia Cameron: Der Weg des Künstlers im Beruf – 12 Wochen Plan

Beide Bücher haben wir bisher nur angerissen, weil wir uns allein mit der Idee von Ricos Clustering stundenlang befasst haben. Interessant war vor allen Dingen, wie unterschiedlich wir damit umgehen. Auf das Clustering (hat Ähnlichkeit mit Brainstorming) werde ich später mal in einem eigenen Artikel eingehen.

Nach getaner Arbeit, vergnügen wir uns übrigens mit einem guten Film, der nach Möglichkeit etwas mit Literatur oder Schreiben zu tun haben soll. So hatten wir bereits “Der Jane Austen Club” am Wickel.

All das hat dazu geführt, dass ich mich wieder mehr mit dem Thema befasst habe und aufgrund geänderter Rahmenbedingungen (ich arbeite momentan nur noch Teilzeit) auch die Zeit habe, einen ernsthaften Start in Angriff zu nehmen.

In diesem Blog werde ich von nun an also von Lust und Frust des Schreibens berichten, welche Bücher ich dazu lese, welche Ideen ich habe, etc. etc. Eigentlich weiß ich selbst noch nicht so genau, was hier alles passieren wird.

Noch ein neues Schreibblog …

Schreibblogs gibt es nicht gerade wenige, also erschließt sich dem ein oder anderen Leser vielleicht nicht die Notwendigkeit eines Weiteren.

Die Begründung ist ganz einfach. ICH brauche es, denn wie heißt es so schön, wenn Du schreiben willst, musst Du schreiben. Und könnte es eine bessere Übung für professionelles Schreiben geben, als darüber zu berichten und zu fachsimpeln?

Wer mich kennt, weiß zudem, dass ein bisschen Druck niemals schaden kann , deswegen hilft mir das Blog vielleicht dabei dran zu bleiben und mich stetig mit dem Thema zu beschäftigen.

Und wieso Orchard House?

Orchard House war das Zuhause der amerikanischen Autorin Louisa May Alcott, wo sie ihren Klassiker “Little Women” (Betty und ihre Schwestern) schrieb. Jedesmal wenn ich in den letzten 14 Jahren die Verfilmung aus den 90ern gesehen habe, hat es mich zum Schreibtisch gezogen. Als ob mich die Geschichte mit einem Virus angesteckt hätte.

Es könnte also eigentlich keinen passenderen Namen geben.

Das Blog ist aufgrund des Namens auch ein bisschen altmodisch und romantischer, als ich es ursprünglich gedacht hatte,  aber ich finde es doch eigentlich ganz gemütlich hier! :-)

Autorenblogs
Bücherblogs
Koch & Backblogs
Schreibblogs