Bücher sind keine Fußabtreter
Was ich Euch noch unbedingt erzählen wollte, ist ein wenig lustiger Zwischenfall in meinem Buchhändlerleben, den ich im letzten Advent erleben durfte. Ihr müsst Euch vorstellen, ich bin grad mitten im Kundengespräch mit einer ca. 50jährigen fitten (dieses Merkmal wird noch wichtig!!!!) Kundin. Ich stehe vor unserem Hörbuchregal, vor mir der Tisch mit den Hardcovern und vereinzelten Taschenbüchern, von dem ich der Kundin gerade eins schmackhaft machen will.
So weit so gut. Die Kundin geht während des Gesprächs einen Schritt auf mich zu und reißt dabei ein Taschenbuch vom Tisch. Bis dahin nicht schlimm, weil grad Weihnachten, wenn alles voll und eng ist, passiert das ja auch schon mal. Sogar uns Buchhändlerinnen. ABER wir heben es dann für gewöhnlich auf und legen es an unseren Platz zurück.
Meine liebe Kundin tat jedoch Folgendes: sie schaute zu Boden, betrachtete das Buch und tja… trat einfach mal volle Lotte drauf. Wie gesagt, die gute Dame war nicht gehbehindert oder sonstwie (körperlich) eingeschränkt. Ich stand da ehrlich gesagt absolut fassungslos und hab sie glaube ich auch ziemlich bedeppert angeguckt. Daraufhin folgte dann dieses Gespräch:
Ich:” Ich heb das dann mal auf.”
Kundin nickt freundlich, ich hebe das Buch auf und denke kurz bei mir, ich bin für die anscheinend grad der letzt Vollidiot. Das Buch hatte übrigens einen riesigen schlammigen Fußabdruck auf dem Cover.
Ich: “Ich bring das Buch dann mal nach hinten.”
Sie: “Ja, machen sie das.”
Keine Entschuldigung, kein Kommentar – nur zuckersüßes Lächeln, als würden ihr grad kleine Englein aus der Handtasche schweben. Und da passierte das, was mir noch nie passiert ist:
Ich: ” Nachdem sie draud getreten sind, kann ich es leider nicht mehr verkaufen.”
drehte mich um und ließ die blöde Kuh stehen.
Nun ist man es ja gewohnt als Verkäuferin schon mal nicht besonders freundlich behandelt zu werden, wobei das schon die Ausnahme ist. Wir haben auch sehr sehr viele nette Kunden. Aber normalerweise, egal wie blöd mir einer kommt, bleibe ich doch immer freundlich und höflich. Dadurch entlockt man selbst den muffeligsten Leuten vielleicht doch noch mal ein freundliches Lächeln. Aber das ging dann doch über die Schmerzgrenze hinaus und irgendwie denk ich mir, muss man sich als arbeitender Mensch auch nicht alles gefallen lassen.
Ob die Kundin noch irgendwas gekauft hat, weiß ich nicht. Vielleicht ist sie aber auch nur weiter zu Thalia oder zur Mayerschen gezogen, um dort weiter Bücher zu Brei zu treten.


Diese Art Verhalten bringt mich seit 30 Jahren ins Grübeln. Weiß diese Person, dass sie etwas falsch gemacht hat? Grinst sie wie ein Honigkuchenpferd, weil es ihr peinlich ist und sie hofft, die Situation gehe schnell vorüber? Oder ist dieser Typ so jenseits normaler Sozialität, dass er/sie es gar nicht peinlich findet? Kurz: Ist sie unecht oder asozial?
DAS tut mir schon beim Lesen weh!
)
Zum einen, wegen des Buches,
zum anderen aufgrund der Frage, was in dieser Person vor sich geht.
Natürlich passiert es, dass man mal etwas runterwirft. (Spreche aus Erfahrung!
Aber absichtlich drauftreten?
Keine Reaktion, keine Entschuldigung?
Weshalb bringe ich meinen Kindern Anstand und Benehmen bei? Bei solchen Vorbildern? Sind sie es dann, die in dieser Welt “untergehen”, weil sie sich noch zu benehmen wissen und nicht die Ellenbogen ausfahren???
Ich glaube dafür, dass diese Kundin da ernsthaft ein Buch mit Füßen getreten hat, hast du noch ganz schön milde reagiert…
Ich als Kunde erwarte von Verkäufern freundlichen und kompetenten Service und, wenn etwas nicht in Ordnung ist, auch eine gewisse Kulanz. Aber das kann ich auch nur erwarten, wenn ich mich genauso bemühe freundlich zu sein und nicht mehr Umstände als nötig zu machen.
Mal abgesehen davon, dass so ein Verhalten einfach unhöflich ist. Wo bleibt da der natürliche Reflex sich zu entschuldigen, wenn einem sowas passiert?
Alternativ kann ich mir nur vorstellen, dass die Frau psychisch krank war und das eine Zwangshandlung war (das meine ich ernst)…
Tja, Kunden kann man sich nicht aussuchen!