Archiv für die Kategorie „Kolumne“

Leserunden Overflow oder “früher war doch alles besser”

Es ist mal wieder so weit – mein Nachttisch hat einen eigenen kleinen SUB. Der freut sich, kann ich Euch sagen. :-( Ich hänge mal wieder in einem kleinen Stäpelchen angefangener Bücher fest. Ich lese:

Cassandra Clare: City of Bones – Leserunde – großartiges Buch
Mikkel Birkegaard: Die Bibliothek der Schatten – ab heute Leserunde – fang ich heute in der Mittagspause an
Alyson Noel: Evermore – hab ich wegen Cassandra Clare unterbrochen

und ich glaub da war noch was, aber das hab ich vergessen.

Nun hab ich keine großartige Ausrede, was besonders schlimm ist. Ich habe momentan viel Freizeit, pröddel aber stundenlang an meinen Webseiten rum, anstatt mich mit einem Buch aufs Sofa zu verkrümeln, wie es sich für eine anständige Rezensentin gehört. Das ist doch wirklich ein Kreuz mit der Freizeit. Hat man keine, kommt man nicht zum Lesen. Hat man welche, hindert man sich selbst mit tausend wichtigen Dingen daran, für ein paar Stunden einfach mal abzuschalten.

Ich habe gestern mal darüber nachgedacht, wie es damals war, als ich noch kein Internet hatte. Da ich zu den frühen Internetusern gehöre (damals hat das ein Geld gekostet sag ich Euch), ist das tatsächlich schon 13-14 Jahre her. Natürlich möchte ich das Internet heute nicht mehr missen. Der Austausch mit anderen Menschen, die Fülle an  Informationen ist einfach toll. Aber ich hänge auch Stunden voller Leerlauf vor dieser hässlichen grauen Kiste, die mich per Knopfdruck dazu verleitet mir Neuerscheinungen auf Listen zu schreiben. ;-)

Natürlich war ich damals auch noch Schülerin und musste nicht arbeiten, aber meine Freizeit bestand damals darin mich mit einem Buch auf mein Bett zu hauen und in beidem zu versinken. Ich wurde nicht durch das Internet abgelenkt und es war auch egal, ob ich eine Serie in der richtigen Reihenfolge gelesen habe und es gab auch keine Leserunde, für die ich ganz dringend ein bestimmtes Buch lesen musste. Ich hatte damals auch nur Weihnachten und zum Geburtstag einen SUB und habe mir immer dann ein Buch gekauft, wenn ich keins mehr hatte. Diesen Zustand werde ich bis zu meinem Tod nicht mehr erreichen, weil ich mittlerweile mehr Bücher kaufe, als ein einzelner Mensch in sieben Katzenleben lesen könnte.

Damals waren Weltbild-Kataloge und Bertelsmann Club Quartalskataloge wie der heilige Gral, weil bis auf Besuche in der Buchhandlung sie die einzige Möglichkeit waren sich über neue Bücher zu informieren. Heute lächelt man darüber müde. Vermutlich sind auch damals jede Menge Neuerscheinungen auf den Markt geworfen worden (vielleicht nicht so viele wie heute, aber dennoch viele tausende im Jahr), aber heute krieg ich das dummerweise mit.

Der April naht und damit die neuen Vorschauen für das Herbstprogramm und wie ein angeschossenes Raubtier scharwenzelt der geneigte Bookaholic um diverse Verlags-Webseiten, weil eigentlich jede Sekunde die Glocke ertönen und die virtuelle Bescherung losgehen könnte. Das einzig beruhigende ist, ich weiß, es gibt jede Menge Leute da draußen, die in der Beziehung genauso bescheuert sind, wie ich und täglich auf “neu laden” bei randomhouse, Knaur, Lyx und Konsorten klicken. Einige davon kenne ich sogar persönlich oder habe sogar mal mit ihnen zusammen gearbeitet! ;-)

Nun ist es schwer sich von dieser Informationsflut, die man gleichzeitig verteufelt und herbei sehnt, nicht erdrücken zu lassen. Auch ein Schnelleser kann nur eine bestimmte Anzahl von Büchern lesen, wenn er nicht als Eremit in den Wald gehen und sich von Gras und Nüssen ernähren will. Aber da sind sie wieder…. die Autoren… alte Freunde, bei denen man sich über jedes neue Buch freut… und die neuen Autoren, die vielleicht mal alte Freunde werden. Missachten will man die schließlich auch nicht.

Vielleicht sollte ich mir mal ein Buch über Zeitmanagment kaufen. Aber ich glaub an so was ja nicht. Außerdem… noch ein angefanges Buch?

Von Vampirschlampen und vollen Regalen

Heute nachmittag nahm mein Bücherchaos mal wieder überhand. Gut – es hat schon vor Wochen überhand genommen, aber heute war mein Verdrängungsmechanismus auf Urlaub und ich beschloss etwas daran zu ändern.

Also, habe ich erstmal mein Vampirschlampen-Regal komplett leer geräumt und neu sortiert. Das ist wie bei uns im Laden – einmal durchräumen und plötzlich ist wieder Platz im Regal. Faszinierend! Man sollte Bücher darüber schreiben oder zumindest eine Doktorarbeit.

Danach habe ich die kleineren Häufchen und Berge sortiert und wollte sie in den entsprechenden Regalen unterbringen. Ich sortiere übrigens nach Genre. Ich habe ein großes Regal für historische Romane, eines für Krimis, eines für Fantasy, eines für Unterhaltung, eines für Liebesromane und eines für Klassiker/anspruchsvolle Literatur, indem ganz unten auch mein Regalboden “Weihnachtsbücher” einen Platz hat. Dazu meine zwei letztes Jahr neu angeschafften Regale. In dem einen sind ausschließlich paranormale Romane (die bereits liebevoll benannten “Vampirschlampen”) und in dem anderen Großen (eigentlich sind es drei Regale, die über eck stehen) sind meine Sachbücher.

Langer Rede, kurzer Sinn – irgendwie passte das nicht so, wie ich wollte und mein Blick viel auf das noch knapp halbleere Sachbuchregal. Mein Freund fand die Anschaffung damals nicht sooo toll, weil nun leider absolut gar kein Stück freie Wand mehr in unserem Wohnzimmer zu finden ist, aber ich hab es ihm mit “die eine Hälfte des Regals gehört dir – da kannst Du Noten und Musikbücher und Zeitschriften reinlegen” schmackhaft gemacht. Nur legt er halt nichts rein bzw. es wird nicht mehr.

Nur fällt es natürlich auf, wenn ich dort plötzlich einen Teil meiner Romane outcource und überhaupt passte ja auch nichts wirklich da rein. Bis ich auf die glorreiche Idee kam, ein kleines Regalbödchen zum Thema “Tudors” zu erstellen. Also flugs sämtliche Sachbücher zu diesem Thema zusammen gestellt und sämtliche Romane dazu und schon war im Regal für historische Romane massig Platz. Und mein “guck mal, ich hab da jetzt ein Tudors-Fach – schön,  oder?” wurde sogar mit einem recht wohlwollenden Nicken zur Kenntnis genommen. Allerdings brummelte er noch ein “braucht man das” in seinen Dreitagebart, worauf ich mit einem überaus schlagfertigen “türlich” antwortete. Da daraufhin  keine Grundsatzdiskussion erfolgte, werte ich dies als Erfolg.

Also… Freund ausgetrickst. Aber mich glaube ich auch… weil irgendwann kommt der Tag, wo ALLE Regale voll sind. Außerdem verführen solchen Themenregale dazu Themen auszuweiten. Ich finde meine Tudors-Sachbuchabteilung ist echt zu mickrig.

Wer übrigens noch nie ein Vampirschlampenregal gesehen hat….

… letztlich doch harmloser, als es klingt, oder? (Bilder anklicken zum Vergrößern)

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