Archiv für die Kategorie „über das Schreiben“

Wenn die Muse küsst…

Da ist sie… die Romanidee. Einfach so! Ich meine, ich hab mich jetzt nicht hingesetzt und gedacht, so Steffi, jetzt komm mal in die Hufe und lass Dir mal ordentlich was einfallen. Ich hab mich aber auch nicht zenmäßig auf eine Matte gelegt und den Sonnengruß gemacht, damit mir die super Idee ganz entspannt ins Gehirn fliegt. Davon mal ab – wie kann  einem bei einer Yogaposition mit dem klangvollen Namen “Kuhgesicht” eigentlich überhaupt irgendwas einfallen?

Ich schweife ab …

Eigentlich kam ich grade nur nach Hause, habe schnell die Spülmaschine eingeräumt und einen gequälten Blick auf mein ungeputztes Küchenfenster geworfen. Und dann machte es auf einmal Badaboom.

Okay, das ist jetzt wenig romantisch, wenn man später mal sagt, die Idee zu meinem Buch hatte ich gerade, als ich links den Spüllappen und rechts einen dreckigen Essteller mit Bolognese-Resten in der Hand hatte. Aber es beweist eindeutig, dass Ideen einen in wirklich jeder Situation und an jedem Ort überfallen können.

Das mit dem “Kuhgesicht” kann man sich ja mal merken …

Wieso hab ich jetzt eigentlich nicht 2 Wochen Urlaub? Morgen früh wird mal wieder “Streichhölzer in den Augen” angesagt sein. :-(

Die Musik macht den Roman

Ein paar weitere Hobbyautoren haben sich per Kommentarfunktion (und auch per Mail) bereits geoutet! ;-) Da würde mich doch glatt mal interessieren, was passiert, wenn ihr Musik hört und dabei schreibt.

Ich bin anscheinend unglaublich empfänglich für so was.  Heute hatte ich meine sehnsüchtig erwartete Live-CD vom Leipzig Konzert der momentanen Depeche Mode Tour im Briefkasten. Also CD in den PC, Lautstärke aufgedreht und tja… liegt natürlich auch am Konzerterlebnis, an das man sich ganz automatisch erinnert (und leise vor sich hin schmachtet ), aber ich könnte zu jedem Song glaube ich die passende Szene schreiben. Die Musik wird sozusagen als Untermalung missbraucht, wie bei einem Film. Bellt Dave Gahan “I Feel you” in die Leipziger Luft, könnte man sicherlich eine hübsch leidenschaftliche Sex-Szene schreiben und beim leisen Konzertende “Waiting for the night” die Heldin an einer schlimmen Krankheit sterben lassen, um den Leser in ein Tränenmeer zu stürzen. Und wenn vor dem inneren Auge, tausende Menschen ihre Hände zu “Never let me down again” wedeln, möchte man einfach etwas furchtbar unglaublich Gutes schreiben, was das Gefühl von Ehrfurcht wiedergibt.

Und damit wären wir wohl schon beim eigentlichen Thema. Musik transportiert Gefühle, wie es wohl kein anderes Medium kann und ich glaube, dass dies den Autor beim Schreiben durchaus beflügeln kann. Mir geht es jedenfalls so und auf Websites diverser Autoren habe ich auch schon von ihren eigenen Soundtracks gelesen, die sie beim Erfinden ihrer Geschichten gehört haben.

Wie gesagt, ich bin dafür irgendwie besonders empfänglich. Ich hab bei dramatischen und tränendrüsigen Filmszenen, die mich wirklich berühren, auch immer das drängende Gefühl jetzt sofort genauso etwas großartiges zu schreiben. Dummerweise gibts Taschentücher und nach den getrockneten Tränen ist das Vorhaben den großen Wurf zu schreiben, wieder verpufft.

Was bedeutet das nun alles ? Nun, man kann mich anscheinend bestens manipulieren. Jetzt müsste ich das nur noch in kreative Bahnen lenken. Nur noch …

“Feuer und Stein” oder: der Dialog macht die Musik

Momentan lese ich zum äh…. ich glaube 5. Mal “Feuer und Stein” von Diana Gabaldon. Gerade, wenn man ein Buch so sehr mag und so gut kennt, kann man beim erneuten Lesen tatsächlich auch mal auf die Feinheiten achten und daraus lernen.

Letztlich lese ich das Buch natürlich wegen der packenden Geschichte , aber es ist auch die Gabe der Autorin reale Charaktere zu erschaffen und mit ihrer Sprache überaus lebendige Dialoge zu formen, die mich so begeistert. Da hat man das Gefühl mitten drin zu sein. An Lebendigkeit kann es meines Erachtens kaum eine Autorin von historischen Romanen mit Frau Gabaldon aufnehmen.

Gerade was Dialoge angeht, wird man doch in einigen Romanen nicht gerade verwöhnt. Zu gestelzt, zu gewöhnlich, zu konstruiert – ich bemerke, dass ich da immer schneller genervt bin. Absolutes Negativbeispiel in letzter Zeit war da der strunzdoofe Roman “Die mit dem Werwolf tanzt” von Mary Janice Davidson. Gut, Handlung und Charaktere konnte man auch vergessen, aber besonders die Dialoge haben mich zur Weißglut gebracht.

Das Liebespaar war zum Davonlaufen. Anstatt sich wie normale Menschen zu streiten und zu unterhalten, haben die beiden sich nur ironische Bälle zugeworfen, auf die dann selbstredend immer nur eine erneut unglaublich komische Retourkutsche folgte. Irgendwann habe ich mich gefragt, ob die beiden einen Clown gefrühstückt hatten. Wenn sich zwei reale Menschen in meinem Umkreis so unterhalten würden, würde ich glaube ich die Männer mit den weißen Kitteln anrufen. Ging einfach gar nicht!

Genauso schlimm ist es natürlich, wenn die Figuren so reden, wie momentan Herr Westerwelle, der in jedem Satz drei mal Bürger und Bürgerinnen von sich gibt, damit wir auch alle verstehen, das die FDP eine Bürgerpartei ist. Es wirkt geplant, gestelzt und irgendwie nicht spontan.

Wie es aussieht, ist es eine Gratwanderung gute Dialoge zu schreiben. Vielleicht ein bisschen wie das wahre Leben. Wer will schon immer mit einem bierernsten Menschen zusammen sein oder mit jemandem, der sich ständig einen Keks freut. Eben … die Mischung machts!

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